
Mittelmeerkrankheiten bei Hunden aus Rumänien
Hunde aus Rumänien können mit Krankheitserregern in Kontakt gekommen sein, die durch Zecken, Stechmücken oder Sandmücken übertragen werden. Häufig werden diese Erkrankungen unter dem Begriff „Mittelmeerkrankheiten“ oder „Reisekrankheiten“ zusammengefasst.
Das bedeutet nicht, dass ein Hund aus Rumänien automatisch krank ist. Viele Hunde sind gesund und zeigen keinerlei Beschwerden. Manche Infektionen können jedoch längere Zeit unbemerkt bleiben. Deshalb sind entsprechende Untersuchungen bei Hunden aus dem Ausland sinnvoll.
🦟Leishmaniose
Übertragung: hauptsächlich durch Sandmücken
Leishmaniose wird durch einzellige Parasiten verursacht. Die Erkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen. Manche infizierten Hunde bleiben lange ohne Beschwerden, während andere erst Monate oder sogar Jahre später Symptome entwickeln.
Mögliche Anzeichen sind beispielsweise Gewichtsverlust, Haut- und Fellveränderungen, vergrösserte Lymphknoten, ungewöhnlich stark wachsende Krallen, Müdigkeit oder Lahmheit. Bei fortgeschrittener Erkrankung können unter anderem die Nieren betroffen sein.
Eine Leishmaniose ist in der Regel nicht vollständig heilbar, lässt sich bei vielen Hunden aber mit Medikamenten und regelmäßigen Kontrollen gut behandeln.
Wichtig: Ein früher negativer Test kann eine sehr frische Infektion noch nicht sicher ausschließen.
🕷️ Babesiose
Übertragung: durchbestimmte Zeckenarten
Babesien sind einzellige Parasiten, die die roten Blutkörperchen des Hundes befallen und zerstören können. Deshalb wird die Erkrankung manchmal auch als „Hundemalaria“ bezeichnet.
Mögliche Symptome sind Fieber, Müdigkeit, Schwäche, Appetitlosigkeit, blasse oder gelbliche Schleimhäute und dunkel verfärbter Urin.
Eine Babesiose kann akut und schwer verlaufen, ist bei rechtzeitiger Diagnose jedoch medikamentös behandelbar.
🕷️Ehrlichiose
Übertragung: hauptsächlich durch die Braune Hundezecke
Ehrlichiose wird durch Bakterien verursacht, die bestimmte Blutzellen des Hundes befallen.
Die Erkrankung kann zunächst relativ unauffällig verlaufen. Möglich sind Fieber, Müdigkeit, Gewichtsverlust, geschwollene Lymphknoten oder eine erhöhte Blutungsneigung, beispielsweise kleine Blutungen an Haut oder Schleimhäuten.
Ohne Behandlung kann eine Ehrlichiose chronisch werden. Wird sie erkannt, kann sie mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden.
🕷️Anaplasmose
Übertragung: durch Zecken
Anaplasmen sind Bakterien, die durch Zecken übertragen werden. Eine Infektion muss nicht zwangsläufig zu einer Erkrankung führen.
Wenn Beschwerden auftreten, können diese sehr unterschiedlich sein. Dazu gehören beispielsweise Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Gelenkschmerzen oder Lahmheit. Auch Veränderungen des Blutbildes können vorkommen.
Bei einer tatsächlich behandlungsbedürftigen Anaplasmose stehen wirksame Medikamente zur Verfügung.
🦟 Herzwurm – Dirofilaria immitis
Übertragung: durch Stechmücken
Bei der Herzwurmerkrankung werden winzige Wurmlarven durch einen Mückenstich übertragen. Im Hund entwickeln sie sich weiter. Erwachsene Würmer leben vor allem in den Lungenarterien und bei stärkerem Befall auch im Bereich des Herzens.
Anfangs haben betroffene Hunde häufig keine Beschwerden. Später können Husten, schnelle Ermüdung, Leistungsabfall oder Atemprobleme auftreten. Ein starker Befall kann Herz und Lunge erheblich belasten.
Herzwürmer können behandelt werden. Die Behandlung muss jedoch tierärztlich genau geplant und überwacht werden.
🦟 Hautwurm – Dirofilaria repens
Übertragung: durch Stechmücken
Der Hautwurm ist mit dem Herzwurm verwandt, lebt jedoch vorwiegend im Unterhautgewebe.
Viele Hunde zeigen kaum Beschwerden. Gelegentlich entstehen kleine, verschiebbare Knoten oder Hautveränderungen.
Dirofilaria repens ist ausserdem eine Zoonose, das heisst, der Parasit kann grundsätzlich auch Menschen infizieren. Eine direkte Ansteckung vom Hund auf den Menschen findet jedoch nicht statt. Für die Übertragung wird eine Stechmücke benötigt.
Ein festgestellter Befall sollte deshalb tierärztlich behandelt werden.
🕷️Hepatozoonose
Übertragung: durch das Verschlucken einer infizierten Zecke
Die Hepatozoonose unterscheidet sich von vielen anderen Zeckenerkrankungen: Der Hund infiziert sich normalerweise nicht durch den Zeckenstich, sondern indem er eine infizierte Zecke verschluckt, beispielsweise beim Entfernen oder Zerbeissen.
Viele Infektionen verlaufen unauffällig. Bei einer Erkrankung können unter anderem Fieber, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Muskelschmerzen, Lahmheit oder geschwollene Lymphknoten auftreten.
Die Erkrankung kann behandelt werden, wobei der Erreger unter Umständen im Körper verbleibt und später erneut Beschwerden verursachen kann.
Was bedeutet das für meinen adoptierten Hund?
Ein positiver Befund ist nicht automatisch eine schlechte Nachricht. Entscheidend ist immer das Gesamtbild: Hat der Hund Beschwerden? Wie sehen Blutbild und Organwerte aus? Welcher Erreger wurde nachgewiesen und mit welcher Untersuchungsmethode?
Ebenso wichtig ist zu wissen:
Ein negativer Test unmittelbar vor der Ausreise oder kurz nach der Ankunft kann eine Infektion nicht in jedem Fall sicher ausschließen.
Zwischen Ansteckung und zuverlässigem Nachweis können je nach Erkrankung mehrere Wochen oder sogar Monate liegen. Deshalb ist eine Kontrolluntersuchung zu einem späteren Zeitpunkt sinnvoll.
Welche Tests durchgeführt oder wiederholt werden sollten und zu welchem Zeitpunkt, sollte individuell mit der behandelnden Tierarztpraxis besprochen werden.
Wann sollte ich zum Tierarzt?
Bitte lassen Sie Ihren Hund untersuchen, wenn Ihnen beispielsweise ungewöhnliche Müdigkeit, Fieber, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Husten, Atemprobleme, Lahmheit, Hautveränderungen, auffällige Schleimhäute, Blutungen oder dunkelverfärbter Urin auffallen.
Dabei sollte immer erwähnt werden, dass der Hund aus Rumänien stammt, damit mögliche Reisekrankheiten bei der Diagnostik berücksichtigt werden.
Noch einwichtiger Gedanke
Die genannten Erkrankungen sollen kein Grund sein, Angst vor der Adoption eines Hundes aus Rumänien zu haben. Sie sollen Adoptanten vielmehr helfen, gut informiert zu sein.
Wer weiss, worauf zu achten ist, kann mögliche Erkrankungen frühzeitig erkennen, gezielt untersuchen lassen und gemeinsam mit der Tierarztpraxis die passende Behandlung wählen.
Die Inhalte orientieren sich an den Empfehlungen von ESCCAP für Hunde aus dem Ausland.
ESCCAP steht für European Scientific Counsel Companion Animal Parasites.
Auf Deutsch: Europäischer wissenschaftlicher Expertenrat für Parasiten bei Haustieren.

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